Sonnenschein und Surrealismus: Das Dali-Museum in Figueres

Ich stehe in der Lobby des Hotels mit meiner Stadtführerin Ana. Wir verbringen die ersten Minuten des Rundgangs damit, uns die Fotos an der Wand anzusehen, auf denen Dali mit seinen Freunden und seiner Frau Gaia das Essen genießt.

 

„Sie war die Liebe seines Lebens. Sie war sein ein und alles. Seine Eltern waren nicht besonders glücklich über diese Liaison, denn sie war zehn Jahre älter als er.

 

Und sie war sehr, nun, modern, sei hatte vor ihm schon andere Liebhaber gehabt. Seine Familie hat dann nicht mehr mit ihm geredet und gehofft, das würde ihn zur Besinnung bringen und sie verlassen. Aber das hat er nie getan“, sagte Ana.

Dali und Figueres

Wir laufen durch das Restaurant und setzen uns in das Séparée, in dem Dali oft mit seinen Freunden diniert hat. Dabei handelt es sich um einen sichtgeschützten, rustikal angehauchten Bereich des Restaurants mit weiß getünchten Wänden und riesigen Weinfässern aus dunklem Holz.

 

Dali hat in Cadaques gelebt, einem schönen kleinen Fischerort an der Costa Brava, der nur knapp 2 Stunden von Figureres entfernt liegt. Das Hotel hat Zimmer 101 immer für ihn reserviert, damit er dort übernachten konnte, wenn er in die Stadt kam, um hier an seinem Museum zu arbeiten.

 

Draußen auf der Straße zeigt mir Ana dann das Café Astoria. Von der ruhigen Terrasse genießt man einen Blick auf die große Rambla, eine von der Sonne verwöhnte Flaniermeile, in der eine Reihe von Bäumen dafür sorgt, dass man die späten Vormittagsstunden auch noch genießen kann.

 

„Hier ist er oft hergekommen, um seinen Kaffee zu trinken. Und ja, es gibt auch eine Geschichte dazu: Die Leute von Figureres waren davon überzeugt, dass Dali völlig durchgeknallt war. An einem sonnigen Tag, einem wirklich heißen Tag, hat er ein Stück Tortilla (spanisches Kartoffelomelett) genommen, es zusammengefaltet und es wie ein Einstecktuch in seine Jackentasche gesteckt.

 

Dann wieder saß er hier und arbeitete Honig in seinen Schnurrbart ein, damit die Fliegen und Wespen davon angezogen würden. Und er saß einfach da und beobachtete sie.“

 

Immerhin: Die Tatsache, dass er sein Museum in Figueres errichtete gilt vielen als Dalis Art und Weise, sich den Respekt seiner Heimatstat zu verdienen.

Es war das erste Mal, dass Dali sich Gaias Wünschen widersetzte“, fährt Ana fort, „sie wollte, dass er das Museum in einer bedeutenderen Stadt wie Madrid oder Paris eröffnet. Aber er war absolut davon überzeugt, dass es sich hier in Figueres, seiner Heimat, erheben sollte. Und davon ließ er sich dann auch nicht mehr abbringen.“

 

Im Museum erklärt uns Ana dann, dass Dali das Museum selbst entworfen hat.

 

„Das hier ist keines der üblichen Kunstmuseen. Dieses hier wurde hier nicht erst errichtet, als der Künstler schon gestorben war. Er hat hier sogar eine Weile gelebt, weil er so minutiös darauf geachtet hat, dass alles genau so wird, wie er sich das vorgestellt hat. Und seine sterblichen Überreste sind ebenfalls hier begraben!“

 

Wir laufen durch den Innenhof des Gebäudes und man kann leicht sehen, dass dies einst eine Bühne war. Genau in die Mitte hat Dali einen riesigen, schwarzen Cadillac gesetzt.

„Er war sehr stolz darauf, einen eigenen Cadillac zu besitzen und als er in Amerika gelebt hat, war das hier sein Wagen. Er hat ihn dann mit hierhergebracht und wollte ihn in ein Kunstwerk verwandeln.

 

Einmal, als er noch in Amerika war, ist er in ein Taxi gestiegen. Er war vom Regen so nass geworden, dass es sich seiner Meinung nach anfühlte, als ob es im Taxi selbst noch regnen würde. Das hier repräsentiert also diese Epoche in seinem Leben.“

 

Ich schaue nach oben und rund um den inneren Teil der Wände des alten Amphitheaters. Goldene Statuen schauen wir Oscar-Auszeichnungen auf einen herunter.

„Er hat auch beim Film gearbeitet“, fährt Ana fort „und obwohl er nie einen Oscar gewonnen hat, hatte er immer das Gefühl, dass ihm einer zustehen würde. Hiermit hat er sich also selbst ein Geschenk gemacht.

 

Viele der Gemälde in den Innenräumen stammen aus seiner ersten Schaffensphase als er noch ein Kunststudent war und seinen eigenen Stil noch nicht entwickelt hatte“.

 

Interessanterweise kann man sehen, dass viele der Gemälde mit einem „G“ neben seiner Unterschrift unterzeichnet sind.

„Sie war seine Muse. Und, was noch wichtiger ist, sie hat immer darauf geachtet, dass er das denkbar beste Umfeld hatte, um zu arbeiten. Deshalb hat er ihren Namen in seine Werke mit eingearbeitet. Das war seine Art, sich bei ihr zu bedanken.“

 

Viele von Dalis bekanntesten Werken hängen heute woanders, viele davon sind Bestandteil privater Sammlung. Aber auch hier gibt es einige seiner schönsten Arbeiten zu bewundern.

 

Eines der kleineren Gemälde wollte Dali mit nach Paris nehmen, um, Picasso zu zeigen, wozu er in der Lage war. Seiner Meinung nach war dieses Bild ein treues Zeugnis davon, in welche Richtung er sich entwickelt.

 

Aber was ich wirklich an diesem Museum liebe, ist, dass es so experimentell ist. Es ist weniger eine „Sammlung von Bildern“, als ein Gesamtkunstwerk.

 

Wie Ana schon sagte, man muss Dalis Museum als Ganzes betrachten, um jeden Erker, jeden Winkel wirklich zu begreifen und so zu sehen, wie er sich das vorgestellt hat. Einige der Bilder sind sogar versteckt, denn er wollte diejenigen Besucher belohnen, die sich Zeit nehmen, um ein wenig mehr in die Tiefe zu schauen.

Der Mae West-Raum

Und natürlich gibt es hier auch eine Reihe surrealistischer Kunstwerke, die einen gleichzeitig verwirren und begeistern. Im „The Mae West Room“ kannst du um einige Möbelstücke herumgehen, die, wenn du sie von einem bestimmten Punkt aus betrachtest, zusammen das Gesicht der berühmten Schauspielerin Mae West ergeben.

 

„Eines Tages hat er ihr ins Gesicht gesehen und sich gedacht, dass sie eigentlich ein gutes Wohnzimmer abgeben würde. Also hat er das hier gebaut.“

 

Es gibt aber noch mehr zu sehen, denn Dali hat auch eine kleine Schmuckkollektion entworfen. Wir laufen durch die dunklen Zimmer und schauen genau hin, um die winzigen Details in uns aufzunehmen. Ana erklärt, dass er eigentlich ein Universalkünstler wie Leonardo sein wollte, und viele verschiedene Formen von Kunst schaffen wollte.

 

„Und das hier ist einer meiner Favoriten“, lächelt sie, „eine Brosche in Form eines Mundes. Wunderschön, nicht wahr? Lippen wie Rubine und Zähne wie Perlen.“

Anreise

Das Dali-Museum erhebt sich in Figueres, einer Kleinstadt außerhalb von Girona, etwas 143 km von Barcelona entfernt. Wenn du von Barcelona aus anreist, fährst du bis zum Bahnhof Figueres Vilafant und nimmst dann den Bus ins Stadtzentrum (der Bus hält etwa 200 m vom Museum entfernt).

 

Die Busfahrt kostet etwa 1,25 Euro und der Bus fährt etwa alle 25-30 Minuten ab. Am Bahnhof von Figueres Vilafant stehen auch Taxen bereit.

 

Auf den Websiten der Tourismusbehörde findest du weitere Informationen über die Costa Brava und den Rest von Katalonien. Auf der Website von Sagales wird genau erklärt, wie du vom Flughafen Girona nach Barcelona und an die Costa Brava kommst und zurück.

 

Flüge nach Barcelona

 

- Ben Holbrook