Die Eichelschweine: Spaniens teuerster Schinken

Nun, tatsächlich ist das sogar der teuerste Schinken der Welt. Aber es ist spanischer Schinken und wo könnte man den wohl besser probieren als direkt in Spanien. Er ist wirklich so lecker, dass allein ein paar Scheiben dafür schon Grund genug wären, in den Südwesten Spaniens zu fliegen. Wir sind aber der Meinung, dass diese Region noch einiges mehr zu bieten hat.

 

Es gibt nur wenige Dinge auf diesem Planeten, die so einzigartig köstlich sind, wie eine Platte dünn geschnittener Jamon Iberico de Bellota. Dieser Schinken wird mindestens 12 Monate an der Luft getrocknet und ist dunkelrot mit einer goldfarbenen Marmorierung durchzogen. Er sollte hauchdünn geschnitten bei Zimmertemperatur genossen werden (und ich würde ja nur zu gerne „in großen Mengen“ hinzufügen, aber bei bis zu 200 Euro pro Kilo sind „große Mengen“ für die meisten von uns wahrscheinlich unerschwinglich). Die ideale Beilage ist frisch gebackenes Weißbrot.  Der Schinken ist zart und glänzt, das Fett ist ausgesprochen hochwertig und löst sich bei ca. 20°C auf, so dass er sprichwörtlich in deinem Mund zergeht.

Es ist diese Marmorierung, die ihn zu etwas ganz Besonderem macht.

Wie aber wird dieser Schinken so gut? Und warum kostet er so viel?

 

Nun, der Jamon Iberico de Bellota ist Spaniens Version des japanischen Kobe-Steaks, dem Fleisch der Wagyu-Rinder, die mit Bier gefüttert, mit Sake massiert und abends mit einer Gute-Nacht-Geschichte in den Schlaf gesungen werden. Es gibt ausgesprochen strikte Vorgaben, wenn der eigene Schinken diese Auszeichnung erhalten soll. Das braucht seine Zeit – und Eicheln. Viele, viele Eicheln.

 

Im Süden Spaniens, insbesondere im Südwesten, gibt es eine Region, die als Dehesa bekannt ist. Ein karger Landstrich mit eigenem Mikroklima, der von unzähligen Eichen bewachsen ist: Steineichen, Spanische Eiche, Gall-Eichen und Korkeichen.  Und von diesen riesigen Eichen fallen unzählige kleine Eicheln herunter. Diese winzigen Eicheln (span. bellota) sind es, die den weltbesten Schinken zu genau dem machen, was er ist.

Winzige Eicheln ... Bild auf iStock: Jose Carlos Nieto

Immerhin sieht man hier überall auch Schweine. Unzählige fette, schwarze iberische Schweine oder pata negra, wie sie von den Einheimischen wegen ihrer schwarzen Hufe auch genannt werden. Und der Grund, warum der Jamon Iberico so unglaublich (und ich meine wirklich unglaublich) gut ist liegt an dieser perfekten Symbiose zwischen Schwein und Eicheln. Das schwarze Iberico-Schwein ist süchtig nach diesen Eicheln. Es liebt sie einfach. Wenn es Eicheln sieht, dann frisst es „wie ein Schwein“, um möglichst viele davon in seinem nimmersatten Magen unterzubringen. Und diese Schweine weiden frei auf den Steppen der Dehesa und versuchen, so viele von diesen kleinen Eicheln zu finden, wie ihre kleinen, schwarzen Hufe es ihnen erlauben.

 

Diese Eicheln sind ausgesprochen fettreich. Je mehr die iberischen Schweine davon fressen, desto größer und fetter werden sie. Und gerade in den letzten Mastmonaten fressen sie bis zu 9 Kilo Eicheln pro Tag. Dieses geschmackvolle Fett lagert sich im Körper der Schweine ab, daher hat ihr Fleisch später so ein günstiges Fett-Muskel-Verhältnis, was die einzigartige Marmorierung erklärt. Gleichzeitig erhält das Fett diesen einzigartigen goldenen Schimmer, die zartbuttrige Textur und das süße, nussige, erdige und absolut unvergleichliche Aroma. Nun, so viel Fett klingt erst einmal nach einer ordentlichen Portion Herzinfarkt, oder?

 

Nein, nicht wirklich. Denn über 55 % des Fettes im Jamon Iberico de Bellota besteht aus den so genannten „ungesättigten Fettsäuren“. Daraus bestehen nämlich die Eicheln und ... nun, heißt es nicht, du bist, was du isst? Ja, die reichhaltige Eichelernährung verwandelt das tierische Fett in einfache, ungesättigte Fettsäuren. So, wie das auch bei Olivenöl der Fall ist. Es ist die Zusammensetzung der Fette, die den Schinken so zart macht.

Oh ja, deshalb steht da auch 159 Euro pro Kilo ... Bild auf iStock: stocknshares

Also, fassen wir zusammen: Jamon Ibericode Bellota ist nicht nur einfach köstlich und stammt von freilaufenden Tieren, die unglaublich gut behandelt werden, sondern der Schinken ist sogar regelrecht gesund ... wie geht das?

 

Nun ja, das kommt eben selten vor. Daher ist der Schinken ja auch nicht gerade günstig. Wie wir schon erwähnt haben, kann so ein Schinken schon einmal 200 Euro pro Kilo kosten, so dass du vermutlich nicht allzu oft den richtig teuren probieren wirst. Was aber schon drin sein sollte, ist ein kleiner Teller mit 100 Gramm von dem Zeug, der dann um die 15 bis 20 Euro kostet. Mein Rat: achte darauf, dass du nicht allzu hungrig bist, wenn du ihn das erste Mal probierst, sonst schlingst du ihn einfach in dich hinein. Diesen Schinken sollte man wirklich ganz in Ruhe verkosten.

 

Wenn du ein wahrer Foodie bist und mehr über diesen Schinken herausfinden möchtest, dann gönn dir eine Reise in das Land, in dem er hergestellt wird (die meisten Produktionsstätten liegen nur knapp eine Autostunde von Sevilla entfernt), buch eine Jamon Iberico-Tour, um die Dehesas zu sehen, die Schweine zu treffen, mit einem Schweinezüchter zu reden und dir einen Eindruck von den Aktivitäten hinter den Kulissen zu machen.

 

Wenn du wirklich knapp bei Kasse bist und keine fünfzehn oder zwanzig Euro für 100 g Fleisch ausgeben möchtest, dann lass dich davon nicht unterkriegen: Spanien hat auch günstigere und dennoch wirklich gute Schinken und Wurstwaren anzubieten. Das ist dann wieder wie beim Kobe-Rind: Nur, weil du es dir nicht leisten kannst, das beste Filet von einem japanischen Black Wagyu zu gönnen, bedeutet das ja nicht, dass du nicht auch ein perfekt gegrilltes Sirloin-Teak von einer normalen Kuh zu schätzen weißt.

Auf der Suche nach Eicheln … Bild auf iStock: chamiz

Jamon Serrano: Dieser Schinken stammt vom weißen Schwein und nicht vom schwarzen iberischen Schwein. Der Jamon Serrano ist lange nicht so teuer, aber auch sehr, sehr lecker. Der Jamon de Trevelez oder Jamon de Teruel sind beide köstlich und deutlich netter zu deinem Geldbeutel als der Schinken vom eichelverwöhnten Schickimickischwein.